Nachruf auf Wulf Gallert: Ein Realpolitiker, der wusste was er wollte

Magdeburg. Sicher haben schon Viele Gallert längst aufgegeben. Nicht zuletzt die Menschen in Sachsen-Anhalt, wie das Wahlergebnis für DIE LINKE zeigt und seit gestern auch er selbst. Doch niemand ist lange genug tot, dass Die Wahrheit nicht noch mit einen Nachruf nachtreten kann. Deshalb bringen wir nun zum Abschluss, was vor vielen Jahren begonnen hat – Wulf Gallerts politisches Ableben.

Ein Mann, der wusste was er will

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Gallert wusste ganz genau, was er will, was er kann und was er wird. Das ließ er die Bevölkerung des Landes der Frühaufsteher*innen1 wissen, denn er hing quasi an jeder Laterne. Nur was er wollte, wusste außer ihm kaum jemand. Am wenigsten die, die ihn wählen sollten.

Auf seiner Website wird dies folgendermaßen erläutert:“ Mit Hingabe, harter und umsichtiger Arbeit – und mit Ihrer Unterstützung. In meinem Wahlprogramm habe ich konkrete Lösungsansätze benannt. Vor allem aber werde ich Sie, die Bürgerinnen und Bürger, stärker an Entscheidungen beteiligen, um Verwaltungshandeln und politische Entscheidungen transparenter zu machen.“

Mit dieser gallertartigen Erklärung konnten die Menschen den Eindruck gewinnen, dass Gallert sich entschieden hatte, die Öffentlichkeit um’s Verrecken nicht mit konkreten Plänen zu belasten – wer will sich schon damit beschäftigen? Ein Blick in das persönliche Wahlprogramm bringt leider nur wenig mehr Licht ins Dunkel. Einzig und allein beim Personal wurde er konkret. 14300 neue Lehrer*innen bräuchte das Bundesland. Ach und 6200 neue Polizeibeamt*innen, damit das Land noch ein wenig mehr wie Sachsen wird.

Ein Frauenversteher, der wusste, was er will

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Insbesondere nach den Attacken auf Frauen in Köln, war Gallert die Antwort des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der Partei DIE LINKE. Er war genau das, worauf die schwächelnde Frauenbewegung in einem solchen Augenblick gewartet hat. Ein Staatsmann. Ein Realist. Ein selbstbewusster Mann in seinen besten Jahren mit väterlichem Schnauzbart und graumeliertem Haar. Jemand, der sich selbst auf großflächigen Plakaten als Frauenversteher betitelt. So etwas flößt Vertrauen ein.

Das ganze Thema war ihm so immens wichtig, dass er ihm einen ganzen Satz in seinem Wahlprogramm widmete. Nicht, dass es falsch wäre, dass geflüchtete Mädchen und Frauen besonders geschützte Räume und Betreuung benötigen, nachdem sie die Qualen des Weges nach Deutschland lebendig überstanden haben, was nicht einmal allen gelingt. Und sonst? Alles im grünen Bereich? Brauchen Frauen auch Schutz, wenn sie nicht geflohen sind? Vor den deutschen Männern vielleicht? Vor Typen wie Gallert? Nein? Dann können wir ja mit ihm in der nächsten Eckkneipe ein Herrengedeck darauf trinken.

Ein Wirtschaftskenner, der wusste, was er will

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Sachsen-Anhalt steht super da. Seit zehn Jahren ist die Wirtschaft nicht gewachsen, aber auch nicht geschrumpft. Das ist für ein Bundesland im Osten schon eine Leistung. Seit 2004 hat Gallert daran als Oppositionsführer der LINKEn-Fraktion im Landtag ganzen Anteil genommen. Sachsen-Anhalt ist auch bei der Arbeitslosigkeit und dem Nettoeinkommen auf dem dritten Platz im gesamtdeutschen Vergleich. Von hinten. Nach Brandenburg – das müssen Sie sich einmal vorstellen, liebe Lerser*innen.

Das bedauerte natürlich auch der ehemalige sachsen-anhaltinische Landeschef der Linkspartei. Um das zu ändern, wollte er eigentlich hart durchgreifen – keine Vergabe öffentlicher Aufträge an die Wirtschaft unter 10 Euro Stundenlohn. Angesichts solch ambitionierter Zielen könnte sich ja Mandy Schabrowski in Weißenfels schon mal einen Vermögensberater engagieren. Nun, auch in der Wirtschaft kannte er sich aus und stand seinen Kolleg*innen in der SPD in Nichts nach. Doch sie wollten ihn ja nicht lassen.

Ein Brückenbauer, der wusste, was er will

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Angesichts der brennenden sozialen Lage, der prekären Versorgungssituation vieler Geflüchteter und zunehmender rechter Gewalt im Land, vor deren Hintergrund sich ein Erfolg der AfD ankündigte, war allen klar:“Das wird das Thema sein. Da setzt er jetzt den Hebel an. Wir sind bereits, ihm alles nachzusehen, wenn er wenigstens den üblichen Aufstand der Anständigen und des demokratischen Lagers verkündigt.“

Und wer Gallert kennt, weiß, dass dieser Mann nicht enttäuschen würde. In einer Situation, in der ein krimineller André Poggenburg, persönlicher Protegé Björn Höckes, und selbst in der AfD auf dem Spielfeld rechtsaußen, die stärkste Landtagsfraktion der Rechtspartei anführen wird, griffen Gallert und sein Team auf eine bewährte Strategie bürgerlicher Politik zurück: Sie hielten sich die Augen zu. Sie kehrten allen dringenden Problemen den Rücken. Sie warfen jedes Alleinstellungsmerkmal, das der LINKEn zu mehr Unterstützung verholfen hätte über Bord. Gar nicht zu reden von einem Programm, das eine tatsächliche Verbesserung der Lebenssituation der Menschen bedeuten würde und ein reales Vehikel im Kampf gegen die Scheißnazis ist. Kein Wort über Rassismus, kein Wort über die AfD, die Waffen wurden lange vor der Ankündigung der Schlacht gestreckt.

Genug jetzt. Bringen wir es mit Gallert selbst zum Abschluss. „Nach dieser Wahl befinden wir uns in einer neuen Phase der politischen Auseinandersetzung, wofür es neue Ideen und neue Gesichter braucht.“ Wer das miserable Ergebnis der Partei angesichts dieses Wahlkampfes auf. Geben wir uns den Rest mit Katja Kipping, die dazu sagte:“ Aber diese Wahlkämpfe fanden in einem gesellschaftlichen Klima des Rechtsruckes statt, wo es ganz schwer war, über eine andere Wahlkampfführung ein anderes Ergebnis zu erzielen.„

Wer so etwas sagt, hat es nicht anders verdient, als im Orkus der Geschichte den Ruhestand zu suchen.

Wir wünschen Wulf Gallert alles Gute im Land der Vergessenen und verabschieden ihn mit einem berühmten Spruch von Gollum.“Geh‘ weg und komm‘ nie wieder!“

1Sachsen-Anhalt bezeichnet sich selbst als Land der Frühaufsteher. Alle, die schon einmal die A9 in Richtung Leipzig gefahren sind, wissen das.

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War heute der Tag von Hitlers Machtübernahme? Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Magdeburg, Stuttgart, Mainz. André Poggenburg reibt sich die Hände, stößt mit Champagner an und lacht befreit. Natürlich hat er den Champagner nicht selbst bezahlt, sondern anschreiben lassen. Aber der Landesführer der AfD in Sachsen-Anhalt ist guter Dinge. Wenn seine Partei endlich die Macht im Land übernommen hat, wird der Haftbefehl gegen ihn zurück genommen und seine Schulden werden erlassen. Dafür wird er schon persönlich sorgen. Doch bis zum Tag der rechten Machtübernahme dauert es wohl noch ein bisschen.

Lassen wir den Bettvorleger mal dort wo er ist und machen keinen Tiger aus ihm. Die AfD ist zweifelsohne eine gefährliche Organisation, die als Katalysator für mehrere Sachen dient. Sie ist ein Berührungspunkt von Menschen, die zwar rechte Positionen richtig finden, aber nichts mit Nazis zu tun haben wollten und letzteren. Sie ist ein Durchlauferhitzer für jene, die nicht direkt zur NPD wollten. Sie ist eine Organisation, die den Rahmen für Nazis aller Art bietet, um sich mit einem bürgerlichen Anstrich zu versehen. Sie ist die Bundespartei von PEGIDA, die die Straßen Dresdens erobert haben und sie halten enge Verbindungen mit Nazischlägerbanden und deren Organisationen, die ihrereseits Ordner für AfD-Aufzüge bilden und gern auch die Höcke-Aufmärsche in Thüringen unterstützen. Wo die AfD aufmarschiert, gibt es hinterher rechte Schmierereien und Anschläge, wo vorher noch eine friedliche Nachbarschaft war. Sie katalysiert Gewalt, stärkt das rechte Selbstbewusstsein und senkt die Hemmschwelle. Sie kanalisiert aber auch die Ängste einer Mittelschicht, die ihren bescheidenen Besitzstand und ihre gute Position bedroht sie. Sie gibt den demoralisierten und von bürgerlicher Politik entfremdeten Perspektivlosen eine Perspektiv durch salonfähigen Rassismus und einer ganz alltäglichen Radikalität.

Kurz: Wo die AfD hinspuckt, wird es braun.

Gerade die Tatsache, dass die AfD mit dem Kanalisieren realer sozialer Ängste und der Abgefressenheit vom durchschnittlichen Politikbetrieb punktet, zeigt uns doch, wo wir ansetzen müssen. Statt dessen kriegen wir von morgens bis abends den selben „Wir schaffen das“ und „Wir sind bunt und tolerant statt braun“-Einheitsbrei fingerdick auf’s Brot geschmiert. Eine wirkliche Antwort? Suchen wir vergebens. Und für alle die, die sich jetzt nach dem grandiosen Scheitern des sogenannten demokratischen Lagers von denen verlassen und enttäuscht fühlen: Ihr habt Recht! Aber nicht, weil CDUFDPGRÜNESPD diesen oder jenen Fehler gemacht haben im Umgang mit der AfD, auch wenn es da viel zu kritisieren gäbe. Sie SIND der Fehler. Sie haben die Umstände zu verantworten, dass die AfD erst so stark werden konnte. Sie sind Schuld an Ungleichheit, Alltags- und institutionellem Rassismus, Gesetzesverschärfungen, Islamophobie und das alles orchestriert von Medien, die gut daran verdienen.

Und die einzige Partei, die sich auf die Fahne geschrieben hat, eine Alternative zu dem ganzen Politikmatsch zu sein, steht jetzt mit schlaffen Spruchbändern im Regen. Und das geht ganz klar an an Helmut Holter, Wulf Gallert und die ganzen Idiot*innen in deren Teams, die Wahlkämpfe verbrochen haben, die statt Alternativen aufzeigen Anpassung ganz groß schrieben und aus Liebe zur Heimat sogar am rechten Rand fischen gingen. Glaubt ihr denn, dass ihr den Stimmeneinbruch bei den etablierten Parteien dadurch für DIE LINKE nutzen könnt, indem ihr eure einzigen Alleinstellungsmerkmale – die sozialen Forderungen – über Bord werft und die Scheiße kopiert, die zum Stimmeneinbruch bei den etablierten Parteien geführt hat?

Natürlich gibt es einige, die jetzt sagen, die sozialen Forderungen müssen ganz klar im Fordergrund stehen. Wagenknecht und sogar andere, die gern mit der SPD in die Regierung wollen, sagen das. Ein Dankeschön aus Brandenburg an dieser Stelle nochmal. Dem Rassismus den Boden entziehen bedeutet auf jeden Fall, die sozialen Ursachen (Scheißkapitalismus) zu benennen und Antworten darauf zu geben, wie das zu ändern als, also selbiger abzuschaffen ist. Auf jeden Fall entzieht man dem Rassismus nicht den Boden, indem man in die Nähe jener rückt, die ihn von offizieller Seite mittragen. Soziale Forderungen müssen aber mit einer klaren Kampfansage gegen AfD, NPD und andere verbunden sein. Es gibt keinen Weg, sich auf soziale Forderungen zu beschränken, in der Hoffnung, damit ein paar Stimmchen von der AfD doch noch für sich gewinnen zu können. Diese Leute hat die fortgesetzte PDS-Politik im Osten doch erst in deren Arme getrieben. Also – Politikwechsel, keine Angst vor der eigenen Konsequenz, weg von den Futtertrögen der Macht.

Andere machen genau das Gegenteil. Die AfD sei faschistisch, alle Kräfte vereint gegen die AfD. Gut, ob diese Analyse geteilt wird oder nicht ist eine Sache. Oben wurde dargelegt, dass sich viele faschistische Kräfte in und um die AfD gruppieren und sie sich selbst radikalisiert und polarisiert. Ist sie schon eine NSDAP deswegen? Ist sie schon eine Goldene Morgenröte deswegen? Die soziale Basis ist da – die Mittelschichten – und einige von ihnen wollen kämpfen, aber das ist noch nicht flächendeckend so. Der geeinte Kampf gegen die AfD kann doch aber nicht heißen, dass alle fortschrittlichen Forderungen über Bord geworfen werden und auf einmal die SPD, die gestern noch das Asylgesetz weiter in die Tonne tritt, heute nicht mehr kritisiert werden kann, damit auch ein Gabriel sich noch hinstellen kann und sagt, das demokratische Lager müsse geeint werden. Sogar CDU-Henkel, Berliner Innensenator rief zum Aufstand der Anständigen auf. Was das praktisch heißt, haben wir am Samstag gesehen. Die Nazis rufen „Merkel muss weg“ und wir hören vor allem Sambarhythmen, die genauso mitreißend wie inhaltsleer war. Als es dann darauf ankam, sich den Nazis in den Weg zu stellen, waren die offiziellen Organisator*innen schneller weg, als wir „Nazis Raus“ rufen konnten.

Das Fazit dieses etwas ungestümen Kommentars soll sein: Rückt die Perspektive zurecht, überlegt, woher die Stärke der AfD kommt und wie sie bekämpft werden kann. Wir brauchen viele und wir brauchen ein Programm, das uns hilft dieses Schweinesystem, dessen Kinder die Faschos sind, abzuschaffen. Wer einfach nur sagt, die Leute sind blöd, macht es sich ein wenig zu einfach. Und: Wir sind noch nicht dort angekommen, wo die Nazis 1933 waren. Im Übrigen gab es vor 80 Jahren in Spanien ein gutes Beispiel, wie gegen aufmüpfige Nazis am besten vorgegangen wird: Generalstreik und Revolution. Dass wir nicht ein weiteres Mal scheitern, bedeutet, dass wir aus der Geschichte lernen müssen.

Frau nach öffentlicher Kritik an ihrer Rechtschreibung endlich kein Nazi mehr

Weißenfels. Mandy Schabrowski sitzt vor einem halb leeren Glas Latte Machjato. „Das tut so gut schmecken,“ sagt sie reuevoll. „Ich wußte gar nicht, was ich die ganzen Jahre über verpasst gehabt habe.“ Sie wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel und erzählt uns ihre Geschichte.

Weißenfels

Die Stadt Weißenfels entwickelte sich nach Ende des zweiten Weltkrieges zu einem bedeutenden Standort der ostdeutschen Schuh- und Lebensmittelindustrie. In Folge dessen wurden kulturelle Angebote für die breite der Bevölkerung ausgebaut. Nach demFall der Mauer sorgten die Segnungen der Marktwirtschaft und weltweiten Konkurrenz dafür, dass innerhalb von zwei Jahren fast die gesamte Infrastruktur, nahezu alle Arbeitsplätze und damit die Zukunftperspektive der Stadt vernichtet wurden. Die über 6.000 Beschäftigten der Schuhwerke wurden beinahe über Nacht arbeitslos, die Stadt verlor bis 2010 rund ein Drittel ihrer Bevölkerung, als Arbeitslosigkeit und Überalterung Einzug hielten.

Mandys frühe Jahre

Hier wurde Mandy Schabrowski 1991 geboren. Der Vater arbeitete für die Schuhfabrik, die Mutter in der Stadtverwaltung und war für die öffentlichen kulturellen Einrichtung veranntwortlich. Beide Arbeitsplätze fielen schon vor ihrer Geburt dem Abbau zum Opfer. Während der 90er Jahre gab es im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt keine Perspektive für die beiden Elternteile, eine neue Anstellung zu finden. Mit dem sozialen Abstieg und der mangelnden Aussicht auf Besserung, fand die Partnerschaft von der Schabrowski ein jähes Ende 1995. Seitdem ist Mandys Mutter allein für ihre Tochter verantwortlich und fand erst zwei Jahre nach der Trennung eine Position als Gebäudereinigerin in den Überbleibseln der einst riesigen Leuna-Werke. Das tägliche Pendeln nahm ihr zusätzlich die Zeit, um sich um die mittlerweile eingeschulte Tochter zu kümmern. Da die Kosten für die Unterbringung in einem Schulhort zu hoch und die Plätze sehr begrenzt waren, übernahm es die Großmutter in Frührente, die ebenfalls in Weißenfels wohnte. Durch ihren sich verschlechternden Gesundheitszustand konnte sie sich jedoch nur bedingt um das Kind kümmern. 2001 nahm die Mutter dann eine besser bezahlte Stelle in der weiter entfernten Stadt Leipzig an. Mandy übernahm ihre Versorgung schnell selbst. Die schulischen Leistungen der Weißenfelserin blieben dabei zunehmend auf der Strecke.

Die rechte Ideologie war alternativlos

2003 kam sie dann auf die Südstadtschule, wo ihre Schwierigkeiten im Unterricht durch die Zusammenlegung mit einer anderen Schule aus Gründen der Kostensenkung nicht besser wurden. Jugendclubs oder andere Freizeitangebote gab es in der Stadt so gut wie keine, daher verbrachte sie ihre Zeit hauptsächlich mit den anderen Jugendlichen aus ihrem Jahrgang im Stadtpark. Dort hielten sich oft auch Ältere mit ihren Autos auf, so ihr späterer Freund Marco. Da kam Mandy zuerst mit rechten Ideen in Berührung. Die Schwierigkeiten in der Schule, der triste Alltag, die Mutter, die nie da war, auf einmal gab es eine einfache Erklärung für das Alles: die Bundesregierung gibt nur Geld für die Asozialen und Ausländer aus. In Weißenfels kommt davon nichts an. „Außer bei den Zecken und Hippies, die mit ihren teuren Öko-Klamotten in den Häusern in der neuen Siedlung wohnen,“ sagt sie uns. „Die tat ich nie gut leiden können, die waren immer so hochnäsig.“ 2007 verließ sie die Schule, nachdem sie die neunte Klasse wiederholte und fing eine Ausbildung im Edeka als kaufmännische Assistentin an, wo sie nach knappem Bestehen der Prüfungen seither an der Kasse arbeitet. Mittlerweile wohnt sie in einer eigenen Einzimmerwohnung, Marco ist vor zwei Jahren dort eingezogen, weil er zuhause raus geflogen ist. Eine Arbeit hat er nicht, auch keine Ausbildung. Er ist viel unterwegs mit den Jungs, trinkt viel und wird oft ausfallend. Vor einem halben Jahr sagte sie der Redaktion: „Aber ich bin ihm immer treu, wie eine gute Frau es nunmal ist. Bei der Situation ist es doch kein Wunder, dass ein Mann mal etwas raus lassen muss. Dann kommen die ganzen Araber hier her, belästigen uns deutsche Frauen und Mädchen. Man ist ja nirgendwo mehr sicher. Weißenfels ist mittlerweile eine der Städte mit dem größten Ausländeranteil der Welt. Aber mein Freund und seine Jungs kämpfen dafür, dass ich mit als deutsche Frau frei bewegen kann.“ Ob er sie schon einmal geschlagen hätte? „Nur ein paar Mal, aber es war nur ein Versehen, weil er zuviel getrunken hatte. Eigentlich ist er ganz nett. Er hat sich auch immer nach ein paar Tagen dafür entschuldigt und einmal sogar fast geweint.“

Die Erkenntnis

Doch jetzt ist alles anders. Nachdem Mandy auf Facebook Fotos ihrer Lieblingsseite „Wiederstand Weißenfels“ gepostet hat und zum Teil auch eigene Kommentare verfasste, wurde sie kurzzeitig zu einer Internetberühmtheit. Nachdem sie mehrmals als Abschaum, blöde Fotze und unfähige Kartoffel, die in einem scheiß Drecksnest voller Nazis wohnt, beschimpft wurde, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Natürlich ist es ihr mangelnder Wille, etwas besseres, eine tolerante Europerin zu werden, der sie zu einem schlechten Menschen macht. Und mit ihr alle, die unter ähnlichen Umständen aufgewachsen sind. Eine rechte Meinung ist eine Dummheit. Sie kann sich ihre Karriereleiter selbst bauen, Weißenfels verlassen, endlich einen vernünftigen Abschluss machen. Das alles und noch viel mehr wurde ihr klar, nachdem sie nur ausgiebig beleidigt wurde.

„Mir ist völlig einleuchtend, dass ich als Frau aus der Unterschicht, die sich nicht selbst eine bessere Stellung inmitten der Leistungsträger dieser fairen Wettbewerbsgesellschaft erarbeitet hat, eigentlich schon an sich ein Nazi war und gar nichts anderes werden konnte. Eines habe ich jetzt gelernt: wer arm ist, ist dumm und wer dumm ist, ist minderwertig und ein Nazi. Und Minderwertigkeit ist verachtungswürdig. Natürlich! Wir müssen nur eine bessere Bildung unter die Leute bringen und uns da auf die demokratischen Parteien wie CDU oder SPD verlassen. Denn es ist ja völlig ausgeschlossen, dass Faschismus etwas mit einem höheren Bildungsgrad gemeinsam hat. Wir sollten da eine klare Linie zwischen den Leuten mit höherer Bildung und besserem Lebensstandard, vor allem zwischen Männern und Frauen, ziehen. Alle müssen wissen, wo ihr gerechter Platz in dieser Gesellschaft ist. Und wer keine ausreichende Bildung hat, kann nun einmal nicht gegen Nazis sein. Dieser ganz Quatsch von wegen gemeinsam kämpfen und soziale Forderungen aufstellen, um den Menschen eine Alternative zu geben und den Rechten ihren sozialen Nährboden zu entziehen kommt doch von Leuten, die eigentlich für rechte Ideen anschlussfähig sind und sich an die Nazis anbiedern.“

Wir gratulieren allen Beteiligten an dieser gelungen Kritik zu ihrem Erfolg und wünschen Mandy Schabrowski alles Gute bei ihrem Studium der Politikwissenschaften an der Freien Universität zu Berlin und ihrem neuen Diskussionszirkel.

Sachsen: AfD stellt erstes Bataillon der Wachpolizei

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Dresden. SPD-Innenminister Ulbig und CDU-Ministerpräsident Tillich könnten nicht stolzer sein. Feierlich heißen sie die ersten 500 Personen (Foto unten) willkommen, die nach langer Ausbildung von drei Monaten nun endlich ihren lang ersehnten Dienst antreten werden.

In seiner Rede sagte Tillich: „Wir haben lange mit einem Personalmangel kämpfen müssen. Nicht nur, dass wir weder Löhne erhöhen wollten, noch mehr Stellen schaffen wollten – seit der Flüchtlingswelle, die sich vor allem in Sachsen mit einem Anteil von 2,8 % der Gesamtbevölkerung niederschlägt, will einfach niemand mehr Polizist oder Polizistin werden. Ständig laufen die Beamten Gefahr, von einer Bürgerwehr angegriffen zu werden, sollten sie den unwahrscheinlichen Versuch wagen, Nazis davon abzuhalten, eine Flüchtlingsunterkunft anzugreifen. Schon vor langer Zeit hörten daher die Einheiten auf, bei PEGIDA beispielsweise die rechten Demonstrationsteilnehmenden von der Gegendemonstration abzuschirmen.

Daher kam unser Expertenausschuss zu einem einwandfreien Ergebnis: lassen wir einfach die Nazis für uns arbeiten. Das hat beim Verfassungsschutz auch sehr gut funktioniert. Gleichzeitig ist das ein vorbildliches Projekt zur Wiedereingliederung Jugendlicher mit fehlender Perspektive vor allem aus ländlichen Regionen. Wir danken dem AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke aus Thüringen ganz besonders dafür, dass er sich bereits erklärte, persönlich für die Auswahl geeigneter Personen zu sorgen. Insbesondere, da der Landesvorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt André Poggenburg sich auf der Flucht vor der Polizei befindet. Was wir hier und heute vor uns haben, ist die Blüte Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens.“

Björn Höcke steht in der hintersten Reihe auf, lächelt und winkt freundlich. Dann ruft er „Lügner! Merkel Weg!“ und setzt sich wieder. Der sächsische Regierungschef nimmt ein Abzeichen und heftet es der Absolventin Mandy Schabrowski aus Weißenfels an – S-SA-T – das steht für die drei Bundesländer, aus denen die Freiwilligen kommen.

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Gegenüber Der Wahrheit sagte Mandy: „Alle Menschen haben ein Recht auf Schutz. Nicht nur, die hier geboren wurden. Zu ihrem eigenen Schutz werden die Flüchtlinge hinter Stacheldraht geschützt, damit ihnen nichts passiert. Zu ihrem eigenen Schutz sollten sie die Anlage nicht verlassen. Aber dafür sind wir ja dann da. Wir orientieren uns da gern an der SchuPo oder dem Sicherheitsdienst, die Leute auch nur zu ihrem eigenen Wohl in Gewahrsam nahmen.“

Der AfD-Jungkader und Burschenschaftler Torben Barga wurde einer der Hauptausbilder der Truppe, nachdem sein Praktikum bei der AfD-Thüringen leider vorzeitig beendet wurde. Der Redaktion sagte er, dass die Hilfeinheiten des Wachbataillons zwar niemanden festnehmen dürfen, aber eine Waffe tragen sollen. Sie hätten durch ein gezieltes Auswahlverfahren und Eignungstests ihre Kandidatinnen und Kandidaten sorgfältig geprüft.

Der Redaktion sagte Barga: „Wir haben beispielsweise Bilder von typischen Ausländern mit denen typischer Deutscher verglichen. Immerhin müssen sie ja verstehen, wen sie beschützen sollen. Bei den psychischen Eignungstests war uns sehr wichtig, sicher zu stellen, dass geeignete Personen in jedem Fall bereits sind, bis in den Tod dem deutschen Volke zu dienen. Ich kann mich bei allen dafür verbürgen, dass sie diese Prüfung mit Auszeichnung bestanden haben.“

Bedenken gab es dennoch von seitens der Bevölkerung. In einer Straßenbefragung letzten Montag in Dresden wurde vor allem deutlich, dass die Ausbildungszeit deutlich zu kurz sei, um richtig mit der Waffe umgehen zu können. „Wenn sie schießen, müssen sie auch treffen und jetzt verpiss dich, du Presseschmierer oder s gladschd glei,“ sagte ein Passant, der nicht namentlich genannt werden wollte.

AfD-Landeschef Poggenburg festgenommen!

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Er wollte sich noch verstecken, aber es war zu spät. Bei der Festnahme des Landesvorsitzenden der Alternative für Deutschland Sachsen-Anhalt (SA), André Poggenburg, wurde dieses Foto geschossen. Er versuchte, der Vollstreckung des Haftbefehles zu entgegen, indem er sich hinter einem Salatblatt mit schwarz-rot-goldenem Stiel versteckte, doch die Beamten kann kein Pardon. Grund der Festnahme war, dass der Vorsitzende der Rachtspartei einer Aufforderung nicht nachgekommen ist, seine Einkommensverhältnisse offen zu legen.

Reaktionen auf LINKE-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Erste Reaktionen auf die Veröffentlichung des „Frauenverstehers“ Gallert an Sachsen-Anhalts Laternen hängend:

„Die finden das wohl noch schön?“ Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin DIE LINKE

„Ich kann ihnen ja gar nicht sagen wer hier der größere Frauenversteher ist – Gallert oder ich!“ Sigmar Gabriel, Vorsitzender SPD (Verein Sächsischer Pädagogen)

„Satire hat hier ihren Auftrag verloren!“ Der Postillon, unabhängige Tageszeitung seit 1845

„Nichts schöneres, als Männer, die sich selbst als Frauenversteher outen!“ Mandy Schabrowski, Kassierin bei Edeka in Weißenfels

„Gäbe es den Herrgott wirklich, hätte er das verboten.“ Joseph Ratzinger, ehemals Papst Benedikt XVI