Freiwillige AfD-Wahlkampfhelfer*innen: Die Medien

Berlin. Bei Medienkonzernen, deren oberste Ziele die Auflagenstärke und der Gewinn sind, ist es wie bei Literaturkritiker*innen und Hunden – wer am lautesten bellt, kriegt den Knochen.

Ein Geben und Nehmen

Und so gibt es seit den Tagen des alten Bernd Lucke (er Ruhe in Frieden) eine stillschweigende Vereinbarung zwischen ihnen und der AfD. Die Angestellten warten, mit der Kamera im Anschlag, vor den Büros und Häusern der Höckes, Petrys, Storchs und wie sie alle heißen. Die Praktikant*innenschar wird abgeordnet, im Minutentakt deren Seiten auf Facebook und Twitter-Accounts zu durchforsten. Und da solche Aufmerksamkeit keine Einbahnstraße ist, macht es die AfD-Führung: sie verursacht Skandale, provoziert, beißt und schlägt um sich, mal mehr und mal weniger geschickt, aber mit Erfolg. Und es wird ihnen vergütet – sie bekommen mehr Plattform für ihre Aussagen und Ideen, als jede andere Partei. Natürlich nur, solange die Auflage dann auch eine Abnahme findet. Das Thema Flüchtlinge hat sich verbraucht – das findet auch die AfD-Führung und entdeckt nun für sich die Demokratie neu. Andere Themen werden folgen, andere Skandale werden folgen. Sie schimpfen auf die Lügenpresse, die Lügenpresse druckt es. Sie rücken sich als Geächtete ins rechte Bild, die Presse verteidigt sich. Beide verdienen gut daran. Es gibt eine Reihe anderer Politiker*innen, die ebenso daran Teil haben wollen und sich ebenfalls gut in Szene setzen können. Wir kennen die Namen – Steinbach, Klöckner, Seehofer. Hier eine rassistische Äußerung, da AfD-Verständnis, dort Handschlag mit alten Freunden in der russischen Regierung. Es ist tendenziös, was da berichtet wird, denn es kommt immer von rechts. Ist in den letzten Jahren mal ein Skandal ausgebrochen, weil jemand öffentlich sagte oder schrieb, dass die Waffenexporte sofort gestoppt und die Rüstungsindustrie als Fluchtverursacher verstaatlicht und in demokratischer Hand in zivile Produktion umgewandelt werden muss? Nicht, soweit wir uns erinnern können. Natürlich liegt das auch daran, dass solche Aussagen eher selten getroffen werden und statt dessen Wagenknecht und andere eher eine Titelseite bekommen, wenn sie sich gegen die Aufnahme aller Flüchtlinge aussprechen. Das macht sie übrigens noch nicht zu Querfrontler*innen, sondern zu ganz banalen Politiker*innen, die genau das selbe sagen, wie ihre Pendants in SPD und anderen Parteien.

Wer den Scheiß glaubt, ist selbst Schuld?

Natürlich muss jedem Menschen zugestanden werden, selbst zu entscheiden, was gelesen und geglaubt wird. Aber zu behaupten, dass alle doof wären, die glauben, was in der Presse steht ist dann doch etwas zu einfach. Denn es macht einen Unterschied, ob die Leute lesen, dass eine fremdländische Kultur hier her kommt und damit Mädchen und Frauen auf einmal einer besonderen Gefahr ausgesetzt sind. Nach Köln konnte man sich nicht fest genug die Ohren und Augen zuhalten. Zu sagen, dass Leute, die das glauben einfach nur blöd sind, überlässt Millionen von Leser*innen den Rattenfängern auf der Rechten. Es lässt die Opfer allein, es lässt jene allein, die verunsichert und verängstigt sind und statt den Versuch einer wirklichen Antwort auf die Probleme, bekommen sie nur den rechten Unflat zu hören.

Schlagzeilen statt Inhalte

Es ist wie mit den meisten Artikeln. Eine knackige Überschrift, ein provokantes Bild. Das wird in den sozialen Netzwerken geteilt, das wird gelesen, ein großer Teil der Leute, die das liken, liest nicht einmal den kompletten Text, da mit dem Teilen einer Überschrift vor allem ein Statement abgegeben wird. Die Aufmerksamkeitsspanne schmilzt durch die hohe Geschwindigkeit des Informationsflusses schnell auf 160 Zeichen zusammen. Sachen wie Mausrutscher, Rassisten-Tourette gehen gut. Damit ist nicht nur der AfD geholfen, sondern allen Parteien, die eine ähnlich unsoziale Agenda verfolgen. Verschärfung der Asylgesetze, Bewahrung der deutschen Traditionen ist Nichts, was viele Konservative in der CDU nicht unterschreiben würden. Die Abschaffung des Mindestlohns, ein Antigewerkschaftskurs, Spaltung in nützliche und nicht-nützliche Deutsche und Nicht-Deutsche steht im Programm aller Arbeitgeberverbände und anderer Parteien wie SPD, CDU, FDP und Grüne. Während sich noch über die letzte krasse Aussage dieser oder jener Politikerin aufgeregt wird, setzen andere das längst um, was die AfD fordert. Unbehelligt. Wer protestierte gegen die Aussetzung des Familiennachzuges schon? Wer wusste überhaupt davon? Die gleichen Medien, die uns nicht erst seit 2013 oft rassistische Berichte erstatten, sorgen mit einer Ablenkung von den Inhalten der Politik auch dafür, dass die Leser*innenschaft nicht über mögliche Lösungsansätze nachdenkt. Wenn wir nur darauf warten, was wer als nächstes sagt, lassen wir uns gleichzeitig eine Politik und eine Ablenkung diktieren, die gegen uns gerichtet ist.

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