Die Wahrheit über Die Wahrheit

Berlin. In einer Presserkonferenz im Kempinski Hotel in Berlin am Abend des 08. März 2016 stellte sich die Redaktion von Die Wahrheit den Fragen der anwesenden RedakteurInnen in aller Ausführlichkeit. Angeblich dienen diese Fragen einer Vorauswahl, um einen Preis namens Seppo-Blog-Auszeichnung am Ende des Jahres zu verleihen. Uns ist völlig klar, dass es sich dabei nur um einen Irrtum handeln kann, denn um einer Frage von Dani Wolf von der BILD voraus zu greifen, warum wir es nicht verdient hätten, den Award zu gewinnen, können wir nur antworten, dass es dafür nur eine irgendwie mögliche Antwort gibt: jemand hat die Preisverleihung boykottiert, mit voller Absicht und dem Wissen, dass damit verhindert werden soll, dass die Wahrheit die Augen und Ohren der Weltbevölkerung erreicht. Eine Tat von weltgeschichtlichem Ausmaße also. Dessen sollten sich alle Mitglieder der Jury, deren Unparteilichkeit wir an sich anzweifeln, da es sowas nicht gibt, bewusst sein. Des Weiteren werden alle persönlichen Fragen in der gewohnten „Wir“-Form beantwortet. Dies liegt nicht etwa an einem übersteigerten Ego, das die Verwendung der Pluralis Majestatis erfordern würde, sondern einzig und allein an der Größe unserer historischen Aufgabe. Denn nicht anderes, als die Welt aus den Angeln zu heben, haben wir uns geschworen. Nun zu den ausufernden Antworten auf kurz gestellte Fragen.

Was haben Seppo und Du gemeinsam? (Dani Wolf, BILD)

Es ist uns völlig verständlich, dass eine derartige Frage von der BILD kommt. Die Gemeinsamkeit liegt auf der Hand – wir und Seppo nutzen WordPress. Jegliche Verwandtschaftsbeziehungen, finanzielle oder andere Abhängigkeitsverhältnisse sind hier völlig ausgeschlossen. Auf jeden Fall. Niemand zahlt hier irgend jemanden etwas für lobende Erwähnungen. Dieser Deal wurde mit Blut besiegelt.

Wieso hättest Du die SBA nicht verdient? (siehe oben)

Eine Woche lang keine (soziale) Technik: kein Handy, kein Facebook, kein Blog – nichts. Was würde das mit Dir machen? (FranCesca Bommer, Business Punk)

Das ist für uns überhaupt kein Problem. Es so viele DoktorandInnen, die bei uns ein unbezahltes Praktikum absolvieren (Hilfe!), dass wir schon jetzt nicht mehr darauf angewiesen sind, unsere Smartphones selbst zu bedienen (Wir können nicht mehr!). Nicht einmal dieser Text ist selbst geschrieben, sondern allenfalls zur Hälfte diktiert. (Bitte helft uns hier raus!) Das hat tatsächlich etwas mit uns gemacht. Dadurch, dass alle anderen die Arbeit für uns erledigen (zwölf Stunden pro Tag in Schichtsystem!), haben wir natürlich nur noch im Prenzlauer Berg Latte Macchiato decaf mit Sojamilch geschlürft und mussten letztendlich einen Personal Trainer engagieren, um die überschüssigen Pfunde wieder loszuwerden.

Was inspiriert Dich für Deine Themen? (ebd.)

Beantworten wir die Frage von einer anderen Seite. Würde es keinen Krieg, keine Unterdrückung, keinen Rassismus, keine Ausbeutung und Ungleichheit mehr geben, könnten wir ruhigen Gewissens unseren Stift weg legen. Selbst Ihnen sollte klar sein, dass das gerade nicht der Fall ist, auch wenn der Business Punk sich vor allem in seiner eigenen Start-Up-Kultur sonnt und sich auf die wirklich unwichtigen Aspekte des Lebens konzentriert. Direkte Inspiration liefert uns leider oftmals das rechte Lager aus AfD und PEGIDA, aber auch in ausreichendem Maße die herrschende Politik. Leider wird es zunehmend schwieriger, real getätigte Aussagen so zu überspitzen, dass es Satire wird.

Wer hat Dir das Hirn so manipuliert, dass Du bei so einem Wettbewerb teilnimmst? (Angel Mohli, Morgenpost)

Alle RedakteurInnen trinken. So auch wir. Es wird wohl dieser außergewöhnlich gute Single Malt gewesen sein, von dem wir alle nicht genug bekommen können. Ansonsten ist Publicity natürlich immer gut.

Wer sollte Deinen Blog besser nicht lesen? (Sarah Katt, taz)

Ich weiß, dass es zumindest die Leute bei der taz nicht tun, da sie zwar gern viele Sachen kritisieren, aber ungern ihr hohes Ross verlassen, um sich mit den wirklichen Lösungen auseinander zu setzen und so gern Tritte nach links austeilen. Allerdings würde es Ihnen sicher gut tun, öfter unseren Blog zu lesen. Ja, uns ist bewusst, dass die taz eine eigene Satire-Rubrik mit dem Namen „Die Wahrheit“ hat. Alles nur eine billige Kopie. Also, unser Blog sollte eigentlich von allen gelesen werden, auch wenn wir davon ausgehen, dass ihn besorgte BürgerInnen selten lustig finden werden.

Auf einer Skala von eins bis zehn: Was isst Du am liebsten? (Manuel Höttges, Chefkoch.de)

Die Sieben.

Welchen Titel hatte Dein erster Blog-Eintrag, welchen wird Dein letzter haben? (Marc Kipfer, Spiegel)

Der erste Eintrag Titel lautete „Ein Millionen-Investment“ und handelte von der Investorengruppe, die uns gefundet hat. Leider sind nach knapp zwei Monaten die mehreren Millionen schon fast aufgebraucht. Zeit für eine neue Kapitalisierungsrunde. Ist Herr Augstein vielleicht interessiert? Der letzte Blogeintrag wird wahrscheinlich etwas im Sinne von „Wir haben es geschafft“ im Titel haben und dem letzten Teil der Welt zum siegreichen Abschaffen des Kapitalismus gratulieren, nachdem auch endlich dieses furchtbare WordPress abgeschaltet wird. Wir haben schon fast kein eigenes Leben mehr.

Was frühstückst Du? (Alex La Famee, Essen&Trinken)

AfD-Mitglieder. Gut durch und püriert. Auf Brötchen und mit einer Prise Majoran. Echt super.

Katze oder Hund? (Rita Raptakis, Der Feinschmecker)

Es kommt auf die Zubereitung an. Uns schmeckt durchaus beides.

Hast Du sonst niemanden, dem Du das alles erzählen könntest? (Martina Mai, Die Welt am Sonntag)

Doch, doch. Die meisten Sachen, die wir schreiben, bekommen alle Freunde, Verwandte und sonstige Leute auf der Straße und auf Facebook, Twitter und Instagram (Follow us!) noch einmal aufgedrängt.

Wer liest Dich überhaupt (Ebony June, Konkret)

Alle, die nicht schlafen können. Alle, denen hier etwas stinkt. Alle, die mal ein Gegengift zu dieser beschissenen Realität brauchen.

Was müsste geschehen, dass Du mit dem Bloggen aufhörst? (Sabienes Shelm, mobilbranche.de)

Diese Frage wurde bereits vom Business Punk gestellt. Da sie sowieso die ganze Zeit von einander abschreiben, nehmen Sie doch bitte obige Antwort und melden sich das nächste Mal etwas früher.

Welche Eigenschaft an einem Menschen schätzt Du am meisten? (Thomas Peter, Psychologie Heute)

Eine fundierte politische Meinung und eine konsequente und aufrechte Haltung, gemischt mit der notwendigen Toleranz. Diese Kriterien schließen schon mal pseudo-alternative Labertaschen, Nazis sowie linke und rechte Spießer aus. Mit allen anderen können wir diskutieren oder sie gegebenfalls bekämpfen.

Was ist Deine beste Eigenschaft? (ebd.)

Wir haben auf alles zumindest theoretisch eine Antwort.

Was ist Dein größter Fehler? (ebd.)

Wir haben auf alles zumindest theoretisch eine Antwort.

Wie, denkst Du, sehen Dich die anderen Menschen? (ebd.)

Das ist uns jetzt etwas zu psychologisierend. Wollen das Ihre LeserInnen wirklich wissen? Sicherlich halten uns viele Menschen für ausgemachte Spinner, die kein bisschen lustig sind. Andere mögen uns. So ist das, wenn jemand eine Meinung hat. Sie polarisiert oft.

Was würdest Du niemals in einem Blog posten? (ebd.)

Wir sind nicht der Auffassung, dass Satire alles darf. Sie darf nicht auf jene treten, die schon am Boden liegen. Sie darf nicht auf der Seite der Unterdrücker stehen. Sie darf sich nicht über Opfer lustig machen. Solche Sachen würden nicht auf unseren Blog kommen.

Glaubst Du neben Seppos Blog noch an andere Wunder? (Annick N. Seiwert, AstroTV)

Natürlich. Wir schreiben für ein weiteres Wunder.

Wenn Du einen Gegenstand in eine Zeitkapsel tun könntest, welche erst in 100 Jahren geöffnet werden würde, welcher Gegenstand wäre das? (HeyChiu Pang, Russia Today)

Das kommunistische Manifest.

Was bedeutet Schreiben für Dich, was macht es mit Dir? (Seppo, Seppolog)

Das ist eigentlich die einzig wirklich wichtige Frage hier, da sie direkt von Seppo kommt. Wer gewinnen will, muss hier glänzen. Das haben wir jedoch gar nicht nötig. Schreiben hat uns schon immer viel bedeutet. Wir haben es zwischendurch ganz aufgegeben, um uns der praktischen politischen Arbeit zu widmen. Seit geraumer Zeit verfolgen wir jedoch dieses Blogprojekt und sind uns noch nicht ganz sicher, wohin es führt. Was es macht ist auf jeden Fall einen Widerspruch konstruieren. Zwischen dem, was gerade trendet und was eine Internetnachricht ist und dem, was inhaltlich wichtig ist, aber vielleicht weniger gelesen wird. So kann eine totale Quatschnachricht schnell mal einer der TOP 10 Artikel auf WordPress werden und länger überdachte, durchaus ernsthafte Kommentare nur von 150 Leuten gelesen werden.

Wie kriegst Du Seppo ins Bett? (ebd.)

Noch mal? Ich dachte, das letzte Mal wäre ausreichend gewesen, um bei dieser ganzen Sache mitzumachen!

Was macht Mannsein für dich aus, was Frausein? (ebd.)

Mannsein in unserem Falle. Es ist schwierig, hier eine kurz gefasste Antwort zu geben, deshalb muss es etwas thesenhaft sein. Alle Männer sollten sich ihrer privilegierten Stellung in der Gesellschaft bewusst werden und sie hinterfragen. Und so oft sie auch hinterfragt wird, als Männer leben wir niemals in einem luftleeren Raum, sind also immer gesellschaftlichen Einflüssen ausgesetzt. Dementsprechend müssen wir immer wieder reflektieren und es akzeptieren, hinterfragt zu werden. Dann müssen wir verstehen, dass die Privilegien, die wir vielleicht oberflächlich durch mehr Zeit, weniger Hausarbeit, wenige emotionale Arbeit, mehr Gehalt und bessere Jobs genießen, unter der Oberfläche ein zutiefst ungleiches Gesellschaftssystem aufrecht erhalten, in der auch wir in bestimmte Rollen gezwungen werden, in denen uns die Aufgabe zukommt, Frauen zu disziplinieren und an ihren Platz zu verweisen und in dieser gespaltenen Situation selbst ständig Verschlechterungen der Lebensumstände zu erfahren. Das macht Mannsein für mich aus – diesen Widerspruch zu erkennen und gemeinsam an dessen Auslösung zu arbeiten. Wenn wir erkennen, dass die Frau neben uns mehr als nur Sexobjekt, Mutter oder Werbefläche ist, nehmen wir sie ernster und können sie als gleichberechtigt in der Auseinandersetzung um ein besseres Leben anerkennen. Wenn es auch anderswo schlimmer ist, als hier, so ist hier dennoch nichts gut. Was wir zu gewinnen haben, ist eine Welt, in der wir frei von Rollenbildern und Geschlechterzwang sind. Dabei ist uns völlig klar, dass es nichts bringt, das irgendwo hinzuschreiben oder darauf zu warten, dass alle plötzlich zu dieser Erkenntnis kommen. Bewusstsein ändert sich am meisten in konkreten Auseinandersetzung am Arbeitsplatz, auf der Straße, in der Schule und in der Uni um gemeinsame Ziele: höhere Löhne, gleiche Rechte, ein besseres Leben.

Was bedeutet das Konzept der ewigen Liebe für Dich? Ist es möglich? Wünschenswert? (ebd.)

Das würde jetzt zu sehr ins Metaphysische abdriften. Ewige Liebe mag möglich sein und jene, die sie finden und es sich wünschen, können sich sicher glücklich schätzen. Aber es sollte kein romantischer Zauber sind, dem wir unser Leben widmen.

Warum sind 28 Fragen zuviel? (ebd.)

Weil einem irgendwann die Hände vom Schreiben weh tun.

Blogger seien Selbstdarsteller, heißt es oft. Warum stimmt das – und ist das schlimm? (ebd.)

Jetzt mal ehrlich. Allein schon der Annahme, dass jemand Artikel über das, was einem passiert oder was gedachte wird, schreibt UND davon ausgeht, dass Leute das lesen ist ganz schön anmaßend. Schlimm ist das nicht. Wir sind ja der Auffassung, dass wir nur noch einen Blog bräuchten. Die Wahrheit.

Warum machst Du bei dieser Nummer mit? (ebd.)

Diese Frage haben wir bereits beantwortet.

Wie löst Du zwischenmenschliche Konflikte? Offensiv, defensiv oder gar nicht? (ebd.)

Eigentlich waren wir lange Zeit defensiv. Wir neigen aber seit einiger Zeit und mit größerem Erfolg zu einer offensiven (wohlgemerkt gewaltfreien) Lösungsstrategie, die auf jeden Fall die andere Person mit einschließen sollte, sofern das möglich ist. Grundlegend werden alle Konflikte nur kollektiv gelöst werden können.

Alle Fragen und ein schönes Interview finden sich hier: http://seppolog.com/2016/03/07/sba2016-der-fragebogen/

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2 Kommentare zu „Die Wahrheit über Die Wahrheit“

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