Politischer Aschermittwoch: AfD jetzt Reichskanzlerpartei und in N(S)D(A)P umbenannt

hoeckehitler

Güsten. Es geht hoch her im Saal. Die Meute juchzt und jubelt, als würde ein Popstar die Bühne betreten. Die Menge besteht aus 148 Männern und den zwei AfD-Wählerinnen. Es ist niemand geringeres, als der Thüringer Gauleiter und AfD-Führer Björn Höcke selbst, der runter „(Heil) Höcke“-Rufen ans Rednerpult tritt. Die Gauverbände Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, kurz S-SA-T, haben sich zu einem gemeinsamen politischen Aschermittwoch entschlossen, auf dem für Gewöhnlich die radikalsten RednerInnen auftreten.

Mit weit von sich gestreckten Arm(en) versucht er, die Menschen zu beruhigen, ein Paar Boxershorts und Feinripphemden fliegen ihm vor die Füße, die Stimmung ist ekstatisch, Bierkrüge werden auf die Tische gehauen. Nach einigen Minuten kehrt Ruhe ein.

Höcke tritt ans Mikro und räuspert sich. Er räuspert sich und hebt an: „Kameraden! Wir haben uns hier heute nicht nur versammelt, um deutschen Traditionen zu frönen und baldigen Wahlerfolgen ins Auge zu blicken. Wir sind nicht angetreten, um diesem verrotteten Schweinesystem mit der bezahlten Journalie und den korrupten Altparteien unsere Dienste anzubieten. Wir wollen dem deutschen Volk dienen, wir wollen es zu seinem erneuten Erwachen führen. Wir wollen nicht nur Autobahnen bauen, wir wollen eine tausendjährige deutsche Zukunft.  30 Prozent der Stimmen sind nur ein erster Schritt. Wir sind angetreten, um dieses eintausend Jahre währende Deutschland zu führen. Wir werden Reichskanzlerpartei!“

In einer Welle aus tosendem Applaus und erneuten (Heil)-Höcke-Rufen geht das danach Gesagte unter. Doch er hat alles gesagt, des Sieges gewiss, verlässt er winkend und mit einem Gewinnerschmunzeln das Pult.

Später tritt sein Parteikollege Poggenburg ans Pult. Er spricht mit verstellter Stimme und hat eine Maske auf, damit die Strafverfolgungsbehörden ihn nicht erkennen, da er bis heute sein Rittergut nicht abbezahlt hat. Doch seine Anhänger erkennen ihn sofort.

Der Hauptbestandteil seines Beitrages besteht darin, der interessierten Zuhörerschaft auseinander zu setzen, warum die Alternative für Deutschland zukünftig Nationale (Sozialistische) Deutsche (Arbeiter-)Partei heißen wird. Ursprünglich sollte das Kürzel NDP vorgeschlagen werden, was allerdings zu einem Streit mit der NPD führen könnte, mit der in der Region Mitteldeutschland ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt wird. Zur Klärung habe sich die Abteilung für Propaganda und Volksaufklärung entschlossen, die beliebten Kürzel SA in den Namen einzuführen. Poggenburg stellt jedoch klar, dass dies nicht zu Verwechslungen mit der historischen NSDAP führen darf. Gegenüber der Redaktion von Die Wahrheit sagte er später: „Wir sind weder sozialistisch, noch eine Arbeiterpartei, daher haben die Kürzel eigentlich gar nichts zu bedeuten.“

Tatjana Festerling war einer der Ehrengäste an diesem Abend. Sie zeigte sich mit dem Gesagten und der Stoßrichtung durchaus zufrieden. „Wir sehen hier viel gemeinsamen Grund, um in Zukunft enger mit der N(S)D(A)P zusammen zu arbeiten. Gemeinsam mit dem Thüringer Heimatschutz, den Burschenschaften, dem NSU, HOGESA und den PEGIDAs sind wir quasi das Rückgrat auf der Straße für die Partei, die unser organisatorischer Ausdruck werden könnte.“ Die Partei ist sozusagen eine Art Dünger, ein Katalysator für alles, was rechts ist. Wo die AfD hinspuckt, wird der Boden braun.

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